artmagazine.cc - 25 03 2008

 

Schönheit als Schreckensvision

 

In der derzeitigen Ausstellung im Siemens Artlab beschäftigt sich Christina Tsilidis mit den absurden Auswüchsen des in den Medien propagierten Schönheitsideals.

Zunächst scheinen einem seltsam geschminkte, schöne, sehr präzise fotografierte Gesichter von den Wänden des Artlab direkt aber ausdrucksleer anzusehen. Bald, und spätestens beim betrachten des Videos, das die Entstehung der Arbeiten zeigt, wird einem klar, dass es sich bei der "Bemalung" um Markierungen in den Gesichtern handelt welche die Abweichungen von einem abstrakten Schönheitsideal darstellen. Dass diese Markierungen von einem Schönheitschirurgen angebracht wurden um zu zeigen, was er ändern müsste um das jeweilige Gesicht zum Idealgesicht zu machen, gibt der Kritik an genormten Schönheitsvorstellungen zusätzliche Schärfe. Hier werden die absurden Konsequenzen eines völlig enthemmten Schönheitswahns vorgeführt ohne, wie etwa Orlan, die Grenzen zur Unwürdigkeit zu überschreiten.

Besonders der Umstand dass die gezeigten weiblichen Gesichter allesamt als schön und jung bezeichnet werden können, führt zu einer sehr gelungenen Irritation. Die Vorstellung sie alle auf dasselbe Maß zurechtzustutzen ist eine Horrorvision, würden sie doch ihre individuelle Schönheit, die gerade in den Unterschieden liegt, verlieren.

Wolfgang Pichler